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Tag der weiblichen Einheit

 

Gestern entschied ich mich nach sehr sehr vielen Jahren dafür ein Kleid nicht als Oberteil mit einer Hose zu kombinieren, sondern als das zu tragen, was es ist: ein Kleid. Kombiniert mit einer schwarzen Strumpfhose, fühlte ich mich wunderbar in meinem Outfit und bekam sogar Komplimente dafür. Das war so lange schön, bis ich in einem Café abwertende Blicke erntete. Eine Frau zupfte ihre Freundin vor meinen Augen am Ärmel, um hämisch auf meine Beine zu zeigen und zu kichern. Ich starrte ungeniert zurück und hob fragend die Augenbrauen, während sie ertappt wegschaute. Es ist 2018! Get over my fat legs! 

 

Als ich die Begebenheit anschließend wütend in meiner Instagram-Story teilte, bekam ich viele sehr liebe Nachrichten von Menschen, die mir zusicherten, dass sie stolz auf mich seien und ich mich von solchen Frauen nicht unterkriegen lassen solle. Sie seien ja nur unzufrieden mit sich selbst und müssten sich über andere erheben, um sich besser zu fühlen. Ich möchte an dieser Stelle jedem danken, der sich die Zeit genommen hat mir ein paar aufbauende Worte zu schicken! Ehrlich, es war Balsam für meine Seele. Und doch blieb bei mir ein ungutes Gefühl. 

 

Auch nicht besser als andere

 

Erst heute morgen wurde mir klar, woher das ungute Gefühl kam. Zum einen habe ich nur die halbe Wahrheit mit euch geteilt. Denn nach dieser Begebenheit lief ich nicht hoch erhobenen Kopfes und breit grinsend die Straße entlang. Ich blieb am nächstbesten Schaufenster stehen und begutachtete mich. Sah ich vielleicht doch total doof aus? Den gesamten Weg zum Parkhaus nagte der Zweifel an mir. Gehörten meine dicken Beine doch eher in weite Hosen? Hatte ich mich "zuviel getraut"? War mein Kleid zu kurz? Hatte ich die Blicke und das hämische Kichern verdient? Ich blieb abrupt stehen und merkte, wie die Wut in mir hochkroch. Da stehe ich, mitten in Frankfurt, mit meinem Kaffeebecher in der Hand und mache meinen Selbstwert tatsächlich von zwei Frauen abhängig, die mich nicht kennen und die mir sowas von egal sein sollten. Und so kam es, dass ich mich in meiner Insta-Story über sie ausließ. Und zwar unfein. Ziemlich unfein. 

 

Und genau darin liegt eine weitere Wurzel meines unguten Gefühls. Rückblickend verstehe ich zwar die Wut, die mich dazu brachte besagte Frau als "Bitch" zu bezeichnen. Aber ich bin auch sehr traurig darüber. Zum einen, dass ich ihr die Macht gegeben hatte mich klein fühlen zu lassen. Zum anderen, weil ich mich damit auf ihr Niveau herab begeben habe: ich habe eine Frau in aller Öffentlichkeit beleidigt. Ob ihr wisst, um wen genau es sich bei der Frau handelt, tut für mich nichts zur Sache. Ich habe schlecht über sie gesprochen und bin damit keinen Deut besser als sie. 

 

Sind wir noch Schwestern? 

 

Der Gedanke daran, dass ich den gleichen Fehler gemacht hatte, wie sie, verfolgt mich bereits den ganzen Tag. Es bedrückt mich, dass wir Frauen einander die größten Feinde sind. Dass wir uns gegenseitig niedermachen, übervorteilen, schlecht übereinander sprechen und uns gegenseitig weh tun. Wir neiden einander den Erfolg, die gute Ehe oder die hübschen Kinder. Wann haben wir vergessen, dass wir niemandem das Licht ausknipsen müssen, um selbst zu leuchten? 

 

Ich habe die Sehnsucht danach, dass gerade wir Frauen entdecken, dass wir einander Schwestern sind. Wir gehören zu einer Familie, wir sind uns ähnlich und wir sind alle miteinander verbunden. Wir können einander gut zureden, uns unterstützen und einander liebevoll begegnen. Wer Liebe gibt, wer versteht, dass er Liebe IST, kann nicht verlieren. Weil er aus einer unerschöpflichen Quelle gibt und Freude verteilt, wie Konfetti. Wann lernen wir das endlich wieder? 

 

Erster Tag vom Rest des Lebens

 

Ich möchte heute damit anfangen. Und mich bei der Frau entschuldigen, dass ich ihr meine Wut entgegen geschleudert habe. Wer immer du bist, ich wünsche dir, dass du liebst und geliebt wirst. Ich wünsche dir, dass du lernst mehr zu sehen, als "unvollkommene" Körper. Dass du lernst dich selbst anzunehmen, wie du bist und auch anderen voller Liebe entgegen trittst. 

Ich wünsche es nicht nur dir, ich wünsche es auch mir und allen anderen Menschen auf der Erde.

 

Denn wenn wir endlich verstehen, dass wir alle eins, dass wir immer miteinander verbunden sind, dann werden wir lernen, dass wir keinem anderen schaden können, ohne uns selbst weh zu tun. 

 

Ich schick euch Liebe, 

 

Denise

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Lara (Donnerstag, 04 Oktober 2018 00:10)

    Ich LIEBE diesen Beitrag. Bitte schreib immer Blogs wenn etwas spontan passiert, es ist so roh und echt und berührt richtig. Ich wünsche dir auch das Beste Schwester <3

  • #2

    Tania (Donnerstag, 04 Oktober 2018 09:36)

    Diese Worte lassen meinen Tag so unfassbar liebevoll beginnen. Danke dir ❤ du sprichst mir aus der Seele.

  • #3

    Wiebke (Donnerstag, 04 Oktober 2018 11:16)

    Wahnsinn deine Worte und die Art und weise wie du uns in deine Seele blicken lässt... Sie berühren mich sehr und ich danke dir dafür. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Worte die ich bewahren will um mich in genau solchen Situationen daran zu erinnern. DANKE!